Digitaluhr im Orbit
Die Schweiz gehört bekanntlich zu den Ländern mit den führenden Uhrenherstellern der Welt. Kaum ein internationaler Flughafen, der in seinen Terminals nicht auf Luxusuhren aus Schweizer Fertigung hinweist. Wer wollte sie zählen, die Schweizer Uhren an den Handgelenken, Wänden und Kirchtürmen unseres Planeten? Anders gefragt: Will sich heute noch jemand einen Film zu Gemüte führen, der von der allgegenwärtigen Schweizer Uhr handelt?
Die Antwort lautet ja- sofern es sich dabei um die Komödie "Die Chronomanen" (CH, 2007, 10 Min.) handelt, die bei der Kurzfilmnacht ihre Zürcher Premiere feierte. Regisseur Karim Patwa hat in subtiler Übertreibung die Schweizer Uhr aus der globalisierten in die planetare Welt versetzt: eine riesenhafte Digitalanzeige, die sich von der Erde aus im Nachthimmel ausnimmt wie die kleine, halb fluoreszierende, halb glimmende Anzeige auf so manchem Nachttisch.
Zeitspiele
Damit hat er auch die leidige Frage nach der Weltzeit aus der Welt geschafft. Die Greenwich Mean Time (GMT gegenwärtig: Schweizer Lokalzeit minus zwei Stunden), ausgerichtet am Null Meridian im englischen Greenwich, hat sich überlebt, die Schweizer Uhr und mit ihr die Schweizer Lokalzeit globale Wirkung erreicht.
"Global handeln, lokal denken": "Chronomanen", in Zürich als lokale Premiere gedacht, wird in anderen Städten nicht gezeigt werden. Das ist schade, diesen Film sollte man dem Publikum nicht vorenthalten.

Dana Grigorcea und Perikles Monioudis
WOZ, März 07

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Singapore Filmfestival

Reviewed by Sinnerman

I expected some kooky sci fi space journey ala Hitchhikers' guide to the Galaxy. But this Galaxy quest held some surprises of its own.
It turns out that the "space trip in a soda bottle" is actually a haphazard chronicle of the director's search for his "origins". Born with a mixed parentage to a Swiss mommy and an Indian daddy, Karim Patwa always felt he's not human, that he's an extraterrestrial who happened to be earthbound. It didn’t take long for us to realize the "alien" side of Karim are merely a mildly juvenile reference to the Indian side of his family tree (most of whom now reside in East Africa). Let's for once ignore the politically incorrect nature of the surprisingly racist terminology (of referring to Indians as aliens). For a film which populates its universe with matter-shrinking soda, flying samosas, red chilli mosquitoes and fart-powered bottle rockets, cannot be taken too seriously.
But seriously, this film is a good-natured disaster. And I am usually very forgiving for such pictures. Together with a computer in the spaceship which is appropriately named Altair (i.e., "alter-ego"), Karim set out on his journey to the Patwa Galaxy (East Africa for earthlings) and started interviewing his alien relations about the recipes for extraterrestrial cuisines, the art of surfing and the miraculous legacy of the Patwa soda (yes, the miracle drink does exist!). Of course, the film slowly revealed itself to be Karim's strangely heartfelt search for his confused identity, acquainting himself with the leaves and branches of his family and most moving of all, the attempts to understand the other sides of his father, in the eyes of his siblings and elders.
This whole project is endearing because we see a looney man struggling with very sane questions about his life, questions which we can all identify with. That we are all not insane balls of energy like Karim is also perhaps, the most heartening revelation one can get from this movie. Here is one film which I thought can do without the spacey bells or the galactic whistles. For despite its kooky excesses, at Karim Patwa's Spaceship's core is a sincere effort (or a very huggable matriarch). I can respond to it with or without organic methane discharged from Karim's you know where. But if that’s the way the fella wants to do it, I shall gladly cruise along with him. Hey, the movie is bearably short and I can hold my breath if need be.
So who is Karim Patwa? Man or alien? Sound of mind or crazy SOB? Guess the white grandma somewhere in this journey puts it most succinctly, when asked if Lil' Karim is an extraterrestrial. In that balmy gentle nature of most nice grandparents, the woman said “Karim is definitely an earthling, but he's just not very down to earth”. With such words of wisdom ringing in my ears, I think the film has done its job adequately. That said, I am still kinda freaked out by the red chilli mosquitoes. Scary.

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Apero, Ausgehmagazin Zentralschweiz

Aberwitziger Experimentalfilm des indisch stämmigen Schweizer Regisseurs Karim Patwa. Darin geht Karim (Matthias Fankhauser) auf die Suche nach seinen Wurzeln - Ausserirdischen. Eine Limonade katapultiert ihn als geschrumpfte Version in einem Raumschiff durch die Galaxie, wo er auf seine Verwandten trifft. Der Science-Fiction-Film zum Thema Identität reizt die technischen Mittel aus, ist aber auch eine liebevolle Hommage der anderen Art an die eigene Familie. (bis)

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CINEMA FILMJAHRBUCH 05

Von Doris Senn

Karim Patwa ist überzeugt davon, ein Ausserirdischer zu sein. Er lebt in Biel, wurde in London geboren, hat eine Schweizer Mutter und einen indischen Vater – und eine grosse Verwandtschaft in Ostafrika. Um Licht ins Dunkel seiner Herkunft zu werfen – und vor allem um etwas mehr über seinen verstorbenen Vater zu erfahren –, macht er sich auf zu einem Trip durch die «Patwa Galaxy». Dorthin gelangt er durch ein magisches Getränk – «Vimto», ein Erfolgsprodukt seiner indischen Vorfahren –, das ihm seine Mutter verabreicht. Zwar ähnelt die Flasche verdächtig dem Coca-Cola-Design, doch ihr Inhalt schmeckt nach Erdbeere und tut überraschende Wirkung: Karim schrumpft auf Reissnagelgrösse, muss sich in der Folge vor den rosa Pantoffeln seiner Mutter in Sicherheit bringen und landet in der Flasche, die zum Raumschiff mutiert und pinkfarbene Bläschen durchs All schickt. Im bananengelben Ganzkörperanzug, der an Woody Allen in Sleepers (USA 1973) erinnert, surft er fortan durchs Weltall, begleitet von Alter (seinem «Alter Ego»), und tritt über einen Bildschirm in (nicht immer störungsfreie) Verbindung mit seinen vielen Verwandten, die er nach der Vergangenheit befragt.
Als Doku-Sciencefiction bezeichnet Karim Patwa diese autobiografische Erkundung seiner Wurzeln. Schliesslich geht es um seine eigene Geschichte und – mit Ausnahme von Karim (seine Rolle spielt Matthias Fankhauser) – treten seine authentischen Angehörigen auf. Doch Karim Patwa's Spaceship ist auch eine schrille Weltraumkomödie irgendwo zwischen Teletubbies und 2001: A Space Odyssey (USA/GB 1968) in geradezu phänomenaler Umsetzung: Im grellen Farb- und Stildesign der Sechziger eröffnet sich uns ein Fantasiereich aus Realfilm und Computeranimation, das durch seine technische Perfektion verblüfft und viel Augenschmaus bietet. Samosas flattern durchs All – die hausgemachten von Tante Sophie versteht sich –, Horden von Peperoncini-Libellen entfalten ihr Zerstörungspotenzial und können nur durch die geballte Kraft von Karims Fürzen unschädlich gemacht werden. Fotos aus dem Familienalbum und Homemovies der Patwa-Family säumen den Weg in die Vergangenheit und finden sich zwischen echt und geflunkert nahtlos ins Pop-Art-Styling integriert. Und damit die Space Opera nicht in kalten Technikperfektionismus abhebt, sorgt die Off-Stimme des Protagonisten, der die Story aus der Innensicht erzählt, für den heimelig-naiven schweizerischen Charme. Vielleicht hätte die Geschichte, um dramaturgisch einwandfrei zu sein, eine leichte Straffung vertragen, doch darf man sich in den etwas laueren Momenten ruhig den spritzigen visuellen Gags hingeben, die der überbordenden Fantasie des Machers nicht auszugehen scheinen.

http://cinemabuch.kaywa.ch/p363.html